“gepresste Hände erzeugen Druck”

videolink

Choreografie: Julian Weber
Performance: Claudia Tomasi, Cinira Macedo, Julian Weber, Boris Hauf
Musik: Boris Hauf
Bühnenbild: Julian Weber

Dauer: 50min

Das Stück folgt keinem eindeutigen Spannungsbogen, es sind vielmehr Linien und Diagonalen, die mal kräftiger, mal sanfter in den Raum gezogen werden. Alles ist bereits da, von Anfang an, keine Steigerung, es wird direkt hinein gesprungen. Es gilt die festgelegten Tänze und Szenerien zu aktivieren, sie in den Raum zu entfalten. Die einzelnen Szenen werden in ihre Einzelteile zerlegt und fragmentiert auf den Raum und die Zeitebene ausgestreut. Im Verlauf des Stücks setzen sie sich wieder in neuen Konstellationen zusammen und formen eine chronologischen Collage.

Nachdem das gestische und tänzerische Vokabular einmal etabliert ist, stricken die Performer ein immer dichteres Netz aus leicht verschobenen und selbstreferenziellen Varianten.
Die Variationen emanzipieren und überlappen sich mit dem reduzierten Bühnenbild, das mobil ist und von den Tänzer/innen auf der Bühne verschoben werden kann. Jede/r Tänzer/in bringt ihren/seinen eigenen Hintergrund, seine eigenen Rahmung in Form von monochrom gefärbten Stellwänden mit auf die Bühne. Durch die Neupostionierung entstehen temporäre Räume die die Tänzer/innen sowohl verdecken, als auch hervorheben. Die Rahmung und die Sichtbarkeit der Handlungen werden dadurch kontinuierlich hinterfragt.

In Zusammenarbeit mit Boris Hauf fand eine direkte Auseinandersetzung mit Musik auf der Bühne statt.
Die Musik nimmt auf der Bühne Volumen ein, sie akzentuiert und kontrastiert den Tanz. Erst eindeutig als Musiker platziert, tritt Boris Hauf im Laufe des Stücks auch in den performativen Raum ein.
Die Frage der Transparenz ist eine Grundlegende und zieht sich durch die gesamte Arbeit.
Wie durchsichtig ist das choreografische Konstrukt, um die Arbeit für den Betrachter greifbar zu machen und weiterhin Freiräume anzubieten, die multiple Interpretationsmöglichkeiten zulassen. In der Reduzierung und Abstraktion die Vielfalt an Deutungsebenen endtdecken und diese freilegen.

„Gepresste Hände erzeugen Druck“ bewegt sich auf dem schmalen Grad zwischen kraftvoll und feinfühlig, zwischen analytischer Distanz und intimer Nähe, zwischen Ahnungen und konkreten Setzungen. Somit verweigert sich das Stück einer klaren Zuordnung und fordert das Publikum zu einem aktiven Lesen und Verknüpfen auf.

Gefördert durch die Tanztage Berlin und die Sopheinsäle.